Termine der Ringvorlesung im Sommersemester 2022

03. Mai, 18:00 – 20:00 Uhr

„Rassismuskritische Schule als Utopie?“, Podiumsdiskussion mit Akteur*innen aus der Praxis:

Nilüfer Aldmeri • Büro für Integration Kreis Groß-Gerau

Sabrina Becker • Bildungsstätte Anne Frank

Hannes Loh • Helios Gesamtschule Köln

Iva Hradskä, Murat Güngör • Goethe-Universität Frankfurt am Main

09. Mai, 18:00 – 19:30 Uhr

Dennis Barasi (Universität Bremen): Rassismuskritik in der universitären Lehrer*innenbildung der Migrationsgesellschaft

Der Vortrag basiert auf einer Studie, welche die diskursive Aushandlung von Migration im Lehramtsstudium rassismuskritisch untersucht. Die vorgestellten Forschungsergebnisse der Dissertationsstudie beruhen auf Beobachtungen in erziehungswissenschaftlichen Lehrveranstaltungen zu den Themenfeldern „Rassismuskritik“ und „Digitale Medien“, einem Praktikumsbegleitseminar der Physikdidaktik sowie Forschungs-Gesprächen mit Lehramtsstudierenden. Anhand der Ergebnisse konzeptualisiert der Vortrag diskursive Aushandlungsstrategien, die sich im Sprechen über Rassismus formieren. Die Vorlesung versteht das Lehramtsstudium hierbei als diskursiven Möglichkeitsraum, der maßgeblich in ökonomisierender Art und Weise geordnet ist. Die Regelsysteme dieses Diskursraums ermöglichen es, in einer bestimmten Weise (nicht) über Rassismus sprechen zu können. Resultierend aus diesen Regelsystemen und den darin wirkenden Aushandlungsstrategien werden Konklusionen bezüglich der rassismusrelevanten Wissensproduktion im Lehramtsstudium der Migrationsgesellschaft dargelegt.

23. Mai, 18:00 – 19:30 Uhr

Prof. Jeff Bale (University of Toronto): Centering Multilingualism and Challenging Racism in Teacher Education (Eng + Dt)

This presentation is based on a three-year study of teacher education and multilingualism in Toronto, Ontario, Canada. The presentation has three parts. First, it describes the linguistic and racial ordering of schools in Ontario, Canada. Second, drawing on critical research in both English and German, it describes how teacher education programs both reflect that linguistic and racial ordering, but often also reproduce it through teacher “training.” Third, the presentation shares perspectives from teacher candidates who participated in the study. Many of these candidates are themselves multilingual and racialized, and hold positive attitudes about supporting multilingual learners and learning to use multilingual teaching practices in the classroom. However, teacher candidates in our study also struggled to put these positive attitudes into practice. This final part of the presentation focuses on this contradiction, and suggests how teacher educators can better support teacher candidates in challenging linguicism and racism at school through their teaching practice.

27. Juni 2022, 18:15 – 19:45 Uhr

Prof. Dr. Carmen Mörsch (Kunsthochschule Mainz), Jun. Prof. Dr. Constantin Wagner (Uni Mainz) und Dr. Yalız Akbaba (Uni Mainz):
Trapped in History: Kontinuitäten von Gewaltverhältnissen in Bildungskontexten

Bildungsinstitutionen sind zentral mitverantwortlich für die Reproduktion sozialer Ungleichheit, auch und während sie versuchen, gegen diese zu arbeiten. Der Vortrag zeigt im ersten Abschnitt am Beispiel der Genese von kultureller Bildung (die historisch mit dem Entstehen moderner Sozialer Arbeit verbunden ist), wie kulturelle Bildung einerseits als „Bildung der Anderen“ bestehende Machtverhältnisse reproduziert, andererseits aber auch Momente von Solidarität, Kritik und Selbstorganisation transportiert (und somit als emanzipatorisches Projekt verstanden werden kann). Der zweite Teil verdeutlicht exemplarisch anhand der Islamdarstellung europäischer Schulbücher, wie zeitgenössische Bildungsmaterialien versuchen, auf Kritik zu reagieren, indem sie wertschätzende Darstellungen des „islamischen Mittelalters“ (Al-Andalus) in ihre Erzählung integrieren, gleichzeitig aber das dominante Master-Narrativ nicht auflösen. Im dritten Teil des Vortrags zeigen wir, welche Mechanismen der Wiederherstellung weißer Hegemonie bei der expliziten Thematisierung von Rassismus in der Hochschullehre wirksam werden – und inwiefern hierdurch trotzdem folgenreiche Irritationen erreicht werden können.

4. Juli 2022, 18:15 – 19:45 Uhr

Prof. Dr. Carmen Mörsch (Kunsthochschule Mainz), Jun. Prof. Dr. Constantin Wagner (Uni Mainz) und Dr. Yalız Akbaba (Uni Mainz): Diskriminierungskritische Interventionen in bestehende Dominanzverhältnisse

Angesichts der permanenten Re-Aktualisierung von historisch gewachsenen Gewaltverhältnissen in der Bildungsarbeit, welche am 27.6. unter dem Titel „Trapped in History“ herausgearbeitet wurde, zeigt sich die Notwendigkeit einer Aus- und Weiterbildung von Pädagog_innen, welche diese Re-Aktualisierung unterbricht. Im ersten Teil des Beitrags werden an einem Fallbeispiel aus der bildungswissenschaftlichen universitären Lehre Überlegungen zu Momenten des Gelungenseins in der diskriminierungskritisch perspektivierten Bildung angestellt. „Postmigrantische Kompetenz“ dient dabei als heuristisches Konzept, um über die Möglichkeit von Allianzen in kollektiven Bildungssettings nachzudenken. Der zweite Teil widmet sich anhand eines aktuellen Bildungsmaterials der Frage nach den Voraussetzungen dieses – immer ambivalenten – Gelingens. Im März 2022 wurden „Diskriminierungskritische Perspektiven an der Schnittstelle von Bildung und Kunst“ veröffentlicht (diskrit-kubi.net). Dabei handelt es sich um Materialien zum Selbstgebrauch, die Praktiker_innen an der Schnittstelle von Kunst und Bildung dabei unterstützen, ihre Arbeit aufmerksam für Machtverhältnisse, einfallsreich für soziale Gerechtigkeit und so wenig gewaltvoll wie möglich zu gestalten. Diese Bildungsmaterialien werden in ihren konzeptuellen Grundlagen vorgestellt und ihre konkreten Anwendungsmöglichkeiten diskutiert.

NEUER TERMIN WIRD BEKANNT GEGEBEN:

What can we learn from critical race theory to analyse and address racism in schools?  – A discussion with David Gillborn (University of Birmingham), moderiert von Nkechi Madubuko (Autorin „Empowerment als Erziehungsaufgabe“, Diversity-Trainerin), Ellen Kollender und Mechtild Gomolla (Helmut-Schmidt Universität Hamburg)

In Great Britain, there has been a longer tradition of addressing structural and institutional racism than in Germany. This is especially true in the education sector. At different times policies to tackle racism have been implemented in educational authorities, school organizations, or in teacher training. However, an extensive body of academic studies has made visible the systematic mechanisms of racism in multiple overt and subtle ways which pupils of color experience within education. Such racism has resulted in severe destructive consequences for the educational and life chances of children and youth from certain minoritized groups.

In this moderated talk, internationally renowned (educational) sociologist and racism researcher David Gillborn (University of Birmingham) will shed light on the manifestations and mechanisms of racism and how it has been addressed in the education system in England. In particular, what can be learned from critical race theory – an approach which originated in North American law schools in the 1980s and which David Gillborn has adapted for the analysis of racism in contemporary education in Great Britain –, and how can different layers of racism be addressed in German schools?

Das Gespräch findet in englischer Sprache statt, eine Transkription und Übersetzung des Gesprächs ist geplant. Diese kann circa einen Monat nach der Veranstaltung auf der Website des Netzwerks oder über eine Mail an folgende Adresse angefordert werden: ivb-veranstaltungen@hsu-hh.de 

Zugangsdaten:

https://us02web.zoom.us/j/88094338255?pwd=WXEwb1JvTWIrVEd6Z0JEM1hVbmJFZz09

Meeting-ID: 880 9433 8255
Passwort: 494524